Interessen

Neben der Wissenschaft gibt es natürlich auch einige andere Dinge, die mich interessieren und die ich vor allem in meiner Freizeit betreibe. In erster Linie zählen Segeln, Tauchen und Fotografieren dazu, aber auch Escrima und die Astronomie. Wie wichtig die Themen für mich sind, läßt sich nicht eindeutig festlegen. Es variiert in Abhängigkeit von der verfügbaren Zeit und den Rahmenbedingungen. 



Fotografie

Mit sechs Jahren fand ich im Schrank meiner Oma eine "Pouva Start". Mit dieser Bakelit-Kamera aus den 50er Jahren ließen sich Rollfilme im 6 x 6 cm Format belichten. Die Einstellmöglichkeiten waren begrenzt; es gab die Wahl zwischen einer festen Verschlußzeit und Dauerbe-lichtung, sowie zwischen zwei mit "sonnig" und "trüb" bezeichneten Blendenwerten. Das 80 mm Objektiv mußte vor der Benutzung aus der Kamera heraus in seine Arbeitsstellung geschraubt werden. Leider sind keine der damals gemachten Aufnahmen erhalten.

Ende der 80er Jahre bekam ich eine "Beirette SL 100", komplett aus Plastik und für etwa 20 Mark zu haben. Mit ihr konnten Filmpatronen im Kleinbildformat belichtet werden, die Festbrennweite mit fester Blende war fokussierbar, die Belichtung wurde in drei Stufen über die Verschlußzeit geregelt.

1992 folgte die "Carena Top AF 35 M", eine echte Knipse. An ihr gab es überhaupt nichts einzustellen, nur ein Knöpfchen zu drücken. Dafür besaß sie Autofocus und einen eingebauten Blitz, konnte Diafilme erstaunlich genau belichten und war robust genug, um noch während meiner Bundeswehrzeit - im Panzer durchgerüttelt, eingesandet und in einer Beintasche der Uniform überall mitgeschleppt - etliche Erinnerungsfotos zu machen.

Während ich beim Bund war, erfolgte der Durchbruch in Form der ersten Spiegelreflexkamera, der "Canon EF-M". Kein Autofocus, dafür aber mit der Möglichkeit, vollständig in die Bildentstehung einzugreifen. Was gleichzeitig bedeutete, daß ich mir beim Fotografieren ein paar Gedanken machen mußte, bevor ich auf den Auslöser drückte.

Mit dem Erwerb dieser Kamera begann auch der Aufbau der Zubehörpalette. Objektive, Blitze, Stative, Filter, Fernauslöser, immer größere Fototaschen. Meist waren die Teile preisgünstig, da das Budget naturgemäß begrenzt war. Das spiegelte sich allerdings auch in der Dauer ihrer Verwendung wieder. Als einziges Teil hat ein Objektiv, das EF 1,8/50, überlebt, der Rest wurde wieder verkauft.

Die "EF-M" wich einige Jahre später der "EOS 500" und 2002 kaufte ich schließlich eine gebrauchte "EOS 50". Speziell diese Kamera ließ kaum noch Wünsche offen. Das wertvollste Zubehör war der Hochformatgriff, der zum einen die Benutzung normaler Akkus anstelle der teuren Fotobatterien gestattete und zum anderen das Halten der Kamera deutlich verbesserte, da endlich meine gesamte Hand Platz am Griff hatte.

Zum "Immer-dabei-haben" kaufte ich zwischendurch noch die "Olympus mju-II", eine hervorragend abbildende Kamera, die auch mit Diafilmen klarkommt. Die lichtstarke Festbrennweite dieser Kompakten übertraf sogar die Schärfe- und Kontrastleistung einiger meiner an der EOS 50 eingesetzten Zoomobjektive, was mich wieder verstärkt mit dem 1,8/50 fotografieren und zwei weitere Festbrennweiten erwerben ließ.

Im Dezember 2004 endete für mich die Zeit der analogen Fotografie. Im Regal standen etwa 10000 Dias, die Objektivpalette bestand aus dem 3,5-4,5/20-35 USM, dem 4/70-200 L USM, dem 2,8/28, immer noch dem 1,8/50 und dem 2,8/100 USM Makro. Als Stativ kam inzwischen das Manfrotto 055 ProB mit FLM Kugelkopf und Q-Top Schnellkupplung zum Einsatz.

Der Umstieg zur digitalen Spiegelreflexfotografie erfolgte für mich mit der "20 D", wieder mit Hochformatgriff. Was mich sofort begeisterte, waren die variable Lichtempfindlichkeit ohne Filmwechsel und die Möglichkeit, die im RAW-Format aufgenommenen Bilder am Rechner wie in einer Dunkelkammer nachbearbeiten zu können. Innerhalb der ersten sechs Monate entstanden mit der Kamera an die 5000 Fotos, die ich natürlich nicht alle aufgehoben habe. Aber plötzlich konnte ich wirklich anfangen, zu spielen, ohne daß zusätzliche Kosten entstanden. Ich nutzte häufiger die Möglichkeit, Belichtungsreihen anzufertigen und bei manchen Szenen auch einfach mal draufzuhalten. "Bytes are cheap!"

Ende 2005 räumte ich auf und kompaktierte die Ausrüstung. Das 3,5-4,5/20-35 USM, das 2,8/28 und das 2,8/100 USM Makro wurden verkauft, ein 4/17-40 L USM angeschafft. Wieder überlebte das 1,8/50 als sehr scharf und kontrastreich abbildendes "Kompaktobjektiv" und als besonders lichtstarke Optik für die Available Light Fotografie. Die Kombination aus 20D, 4/17-40 und 4/70-200 erwies sich als äußerst passend und ist nach wie vor in Gebrauch.

In den Jahren 2010/2011 konnte ich gelegentlich mit einer Canon 1Ds arbeiten. (Die Kamera ging Ende 2011 in meinen Besitz über.) Etwas in die Jahre gekommen, aber trotzdem eine großartige Kamera. Durch den Einsatz von Tasten anstelle von Drehrädchen ist die Kamera blind bedienbar und funktioniert in einigen Punkten einfach besser als die für den ambitionierten Hobbyfotografen konzipierte 20D. Letztere ist dafür etwas schneller. An der 1er schätze ich besonders den zum Gehäuse gehörigen Hochformatgriff. Zwar gab es auch einen als Zubehör für die 20D, dieser war jedoch weich und taugte daher nichts, wenn man die Kamera mit dem Body auf ein Stativ setzen wollte. Zu allem Überfluß bestand die Getriebekonstruktion, die die Kraft zwischen Rändelrad und Befestigungsschraube übertragen sollte, aus Kunststoffzahnrädern und verabschiedete sich eines Tages im angeschraubten Zustand. Der Griff konnte danach nur noch durch Zerstörung vom Kameragehäuse gelöst werden. Die 1Ds hingegen ist gebaut wie ein Panzer - und transportiert sich leider auch so. Dafür ist sie ein grundsolides Werkzeug mit Wetterschutz und Vollformatsensor - und endlich ist mein 17-40 wieder ein echtes Weitwinkelobjektiv!


Ausrüstung, Stand 2012:


* Kameras: Canon EOS 1Ds & Canon EOS 20D

* Objektive: Canon EF 4/17-40 L USM, Canon EF 4/70-200 L USM, Canon EF 1,8/50 II

* Blitz: Canon Speedlite 550 EX & 380 EX sowie einige 32er Metz-Computerblitze

* Stativ: Manfrotto 055 ProB mit FLM CB 38-FT0 Kugelkopf und Q-Top Schnellkupplung

* Zubehör: Fernauslöser TC-80 N3, Blitzkabel Nr. 2, Ersatzakkus, SanDisk Speicherkarten

* Taschen: LowePro Fototrekker classic, LowePro Toploader und Statec 850 Stativtasche



Tauchen

Es war 1992, als meine Deutschlehrerin mich fragte, ob ich an einer Umweltschutzaktion teilnehmen möchte. Sie erzählte mir, daß der Obersee in Lanke durch Sporttaucher von allem möglichen Unrat bereinigt werden sollte. Das klang ziemlich interessant, also sagte ich zu.

Am See traf ich dann auf die Taucher. Sie hantierten mit Preßluftflaschen, Atemreglern und allerlei anderem Gerödel, verschwanden schließlich im dunklen Wasser und tauchten alle Nase lang wieder auf, um irgendwelchen Schrott an die am Ufer tätigen Leute zu überreichen. Während dieser Aktion brannte sich mir ein simpler, aber folgenschwerer Gedanke ein: "Ist ja irre!" Die Taucherei hatte mich in ihren Bann gezogen.

Glücklicherweise fand meine Mutter die Idee, ich wolle tauchen lernen, nicht allzu abwegig. Möglicherweise überblickte sie aber auch einfach nicht die finanziellen Aspekte, die da auf sie zukommen sollten. ;-) Jedenfalls trat ich Ende 1992 in den Tauchsportklub Adlershof ein und begann kurz darauf die Ausbildung zum "Open Water Diver".

Im Juni 1994 war es soweit - nach zahlreichen Übungsstunden in der Schwimmhalle, umfangreicher Theorieausbildung und fünf Prüfungstauchgängen im Helenesee gab es das ersehnte Plastikkärtchen.

Schon im Juli des gleichen Jahres trat ich zusammen mit mehreren Mitgliedern unseres Klubs meine erste Tauchreise an - nach Frankreich auf die "MS Frederick" an der Côte d'Azur. Wir betauchten zahlreiche sehenswerte Plätze, darunter die Wracks der "Spahis" und der "Cementier". Bereits in Kindertagen hatte ich das Wasser geliebt, aber hier - noch nie hatte ich die See so intensiv erlebt - verfiel ich geradezu dem klaren Wasser, der Flora und Fauna des Mittelmeeres.

Im nächsten Jahr, 1995, lernte ich tauchend die Ostsee kennen, erlebte meine ersten Nacht- und Strömungstauchgänge (ich sage nur: Middelfart) und fuhr mit den Tauchkollegen zu einem Dutzend Seen in der näheren und ferneren Umgebung. Am 21.10.1995 hatte ich mit dem letzten Prüfungstauchgang alle Bedingungen für den zweiten Stern erfüllt und erhielt das silberne Brevet des VEST. Am 16. Dezember konnte ich zusammen mit einem Vereinskollegen noch den ersten Platz beim Orientierungstauchen im Helenesee belegen.

Weiter ging's am 6. Januar 1996 (Was ist eine Winterpause?!) mit meinem ersten Eistauchgang. Mit einem 5,5 mm Naßanzug schon härtere Gangart. Trotzdem hat's in diesem Winter zu insgesamt neun Eistauchgängen gereicht! Die Höhepunkte des Jahres waren Tauchgänge in der Thomasquelle und im Melchiorbrunnen (zwei Karstquellen).

Im März 1997 erlebte ich das Wunder, bei dichtem Schneefall im Walchensee aufzutauchen und mich mollig warm zu fühlen - ich besaß einen Trockenanzug! Außerdem ging's in diesem Jahr zweimal nach Dänemark, einmal nach Rügen und auch nach Giglio. Im Spätsommer wurden dann nochmal ordentlich Theorie und Praxis geübt und am 06.12. - zu dieser Zeit war ich bereits zum Studium in Rostock - konnte ich mich über den dritten Stern, das goldene Brevet, freuen.

1998 brachte mich erneut nach Giglio und auch nochmal auf die "MS Frederick". Diesmal allerdings gab ich dort für dreieinhalb Wochen den Assistenten, führte Tauchgruppen, markierte für die Gäste die zu betauchenden Wracks mit der Boje, kümmerte mich ums Flaschenfüllen und die Tauchtechnik und half dem Schipper beim Kochen. Es war eine sehr lehrreiche Zeit - in vielerlei Hinsicht. Im September bekam ich dann intensiveren Kontakt zur "See- und Tauchcenter GmbH", einer Tauchbasis in Rostock-Markgrafenheide. Hier betätigte ich mich bis zur Auflösung der Basis Ende 2000 als rechte Hand, fuhr das Schlauchboot und ging mit den Gästen tauchen.

Seitdem die Basis nicht mehr existiert, ist es um die Taucherei ziemlich ruhig geworden. Ende 2001 konnte ich noch einige Tauchgänge ins Logbuch schreiben, die ich auf Utila, Honduras, gemacht habe. Seitdem fehlten entweder ein Tauchpartner oder die Gelegenheit. Nachdem mir dann 2008 die komplette Ausrüstung aus dem Keller gestohlen worden war, fehlte praktisch alles. Erst 2010 - nach neun Jahren Zwangspause - stieg ich in Kroatien wieder ins Wasser. Bei dieser Gelegenheit absolvierte meine Frau ihren Grundtauchschein, so daß wir Anfang 2011 nach Ägypten reisten und dort unsere ersten gemeinsamen Tauchgänge durchführten.


Astronomie

Am Anfang stand der Versuch, ein Foto vom Mond zu machen. Mit dem Wunsch nach mehr Brennweite zog eine sogenannte Russentonne (1000 mm Spiegel-Teleobjektiv) ins Haus ein. Dies brachte recht schnell die Erkenntnis mit sich, daß jede Brennweitenverlängerung die mögliche Belichtungszeit reduziert, wenn man nicht nachführt und keine Striche auf dem Foto haben möchte. Dies führte zunächst zum Kauf einer parallaktischen Montierung und mittelfristig zur Infektion mit dem Astro-Virus.

Mein heutiges Hauptinstrument ist "Gimli", mein 2004/2005 gebauter Zollstockdobson. Er hat eine Optik mit 8 Zoll Öffnung und 800 mm Brennweite, die einem GSO Newton entnommen worden ist.

Nach mehreren enttäuschenden Erfahrungen mit Billigferngläsern habe ich mir ein Nikon Action VII 8x40 zugelegt, welches zusammen mit Karkoschkas "Atlas für Himmelsbeobachter", Stoyans "Deep Sky Reiseführer" und meiner mit Rotfilter ausgestatteten Stirnlampe "PrincetonTec Matrix" auf praktisch jedem Beobachtungsausflug dabei ist.

Wenn es schnell gehen oder nur ein kurzer Blick riskiert werden soll, gibt es noch einen Kurzrefraktor von Vixen, den Multi 80s (80/400 mm), ausgerüstet mit einem Intes deluxe Zenitspiegel. Den Kleinen montiere ich auf einer Baader BP60, die auf ein Hama Omega Pro II Stativ geschraubt ist.

Mein Okularsatz, den ich an beiden Optiken benutze, besteht aus einem TAL 25 mm, einem 10,5 und einem 5,2 mm Pentax SMC XL, sowie einem 3,5 mm Vixen LVW und einem 2,5 mm Vixen LV.

Fotografiert wird aktuell mit der Canon 20D, vor allem bestückt mit MTO 100/1000 mm, Pentacon 4/300 oder Canon EF 4/70-200 L USM. Ansonsten gibt es aus Zeiten der analogen Fotografie, in denen ich vor allem mit einer Praktika LTL3 gearbeitet habe, noch ein Kenlock 2,8/28 mm, ein Pentacon 1,8/50 mm MC und ein Carl Zeiss Jena 3,5/135 mm Sonnar MC electric, die aber nur noch selten zum Einsatz kommen.

Getragen wird die Fototechnik von einer H-EQ5 auf Originalstativ, die bei Langzeitaufnahmen mit einer Eigenbau-Platte zur Parallelmontage von Kamera und Leitoptik bestückt wird.



Escrima

Über den Rostocker Uni-Sport lernte ich diese philippinische Kampfkunst kennen und schloß mich sehr schnell dem Escrima-Club Rostock an. Das Prinzip hinter Escrima kommt meinem Pragmatismus sehr entgegen. Es gibt ein Kernkonzept, welches auf dem Kampf mit Klingen basiert und sich auf alle anderen Waffenarten übertragen läßt. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es sich um Stöcke, Kugelschreiber oder die bloßen Hände handelt. Die Grundlagen lassen sich schnell erlernen und sind auch für kleine und leichte Personen umsetzbar.

Aus meiner Sicht ist Escrima die ideale Kampfkunst für die Selbst-verteidigung. Die Techniken sind auf das Wesentliche reduziert und Funktion und Wirkung ausgelegt. Escrima kennt keine Defensive im eigentlichen Sinn - die Abwehr ist in die Angriffs-techniken integriert. Das Wissen darum ist eine gute mentale Schule. Die Vermeidung einer Auseinandersetzung hat oberste Priorität. Kommt es zum Kampf, gibt es nur ein Ziel: den Gegner schnellstens kampfunfähig zu machen.

Eine Rückenverletzung verschaffte mir leider eine Zwangspause von acht Monaten. Im Anschluß nahm ich das Training wieder auf und kann daher aus Erfahrung sagen, daß sich Escrima auch für Menschen mit Bandscheibenschäden eignet.

In Hamburg suchte ich einige Zeit lang nach einem Verein mit "anständigen" Leuten. Es hat ein wenig gedauert, aber Anfang 2011 trat ich dem Bahala Na Giron Arnis Escrima Verein bei. Das Konzept ist deutlich komplexer als ETF Escrima, aber immer noch sehr praxisnah und in sich schlüssig.



Segeln

Am 20. August 2005 hatte ich die Gelegenheit, an einem Tagestörn auf der "Universitas II", einer 10,2 m Slup, teilzunehmen. Von Rostock-Gehlsdorf aus, wo sich das Gelände des ASVzR befindet, ging es die Warnow hinunter in die Ostsee, wo wir nach einem Badestop noch einige Meilen in westlicher Richtung segelten, einige Manöver übten und anschließend wieder zurückfuhren. Bereits am nächsten Wochenende folgte ein dreitägiger Törn nach Dänemark, auf dem wir nur noch zu zweit waren. Zwei Tage später unterschrieb ich meinen Aufnahmeantrag und wurde Vereinsmitglied.

Es folgten noch zwei Tagestörns auf der "U2" und Ende Oktober war es Zeit zum Slippen. Das Boot wurde abgetakelt, aus dem Wasser geholt und auf dem Vereinsgelände abgestellt, um ihm die notwendigen Reparatur- und Überholungsarbeiten angedeihen lassen zu können.

Während an den ersten Vereinsbooten bereits mit Inbrunst gearbeitet wurde, lag die "Shanty" noch im Wasser und sollte dort auch bis Mitte Dezember bleiben, was mir auch über das offizielle Absegeln hinaus noch zahlreiche Gelegenheiten zum Mitsegeln bot. "Shanty" ist im Gegensatz zur stählernen "U2" aus Holz gebaut, etwas kürzer, deutlich schmaler und dadurch ein relativ schnelles Schiff. Sie besitzt ein anderes Rigg, ein echtes Großsegel (Insider ...) und fährt sich überhaupt als Langkieler merklich anders als die "U2". Eine Menge Lernstoff für einen Segelanfänger.

Mit Begeisterung, größeren Mengen an Heißgetränken und einer nicht in Abrede zu stellenden Portion Wahnwitz segelten wir am ersten Advent, am zweiten Advent und schließlich auch noch am 7. und 8. Dezember - zwar bei Nebel, aber immerhin mit einem Weihnachtsbaum an Bord.

Am 9. Dezember 2005 war es schließlich soweit, "Shanty" rumpelte über die Slipbahn ihrer verdienten Winterpause entgegen und ich verbuchte für meine erste - kurze - Saison ganze 17 Segeltage mit über 350 zurückgelegten Seemeilen.

Um mit den Booten des ASV eigenverantwortlich segeln zu dürfen, muß man die Bootsführerschaft beantragen, wobei je nach Fahrtgebiet unterschiedliche Scheine verlangt werden. Winter und Frühjahr vergingen mit Theorieausbildung und einiger Lernerei.

Anfang April 2006 stellte ich schließlich den Antrag, die "Shanty" als Bootsführer segeln zu dürfen. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich lediglich den SBF See, was laut Vereinssatzung genügt, um für das Fahrtgebiet 1 zugelassen zu werden - das bedeutet, man darf auf der Warnow von Gehlsdorf bis zu den Molenköpfen in Warnemünde segeln. Immerhin. :-) Auf der Schifferratssitzung am 12.04.2006 wurde dieser Antrag ohne Gegenstimme bewilligt. Daraufhin wechselte ich von der "U2" komplett zur "Shanty".

Am 13. Mai 2006 absolvierte ich die Prüfungen für das beschränkt gültige Funkbetriebszeugnis (SRC). Da "Shanty" ein DSC-UKW Funkgerät an Bord hat und die Gesetzgebung in diesem Fall ein solches Zertifikat vorsieht, kam ich nicht drum herum.

Die Segelsaison 2006 begann für mich schließlich auf dem Vereins-Flaggschiff, der "Universitas". "Shanty" lag zu dieser Zeit noch in der Bootshalle und wartete auf die letzten Lackierarbeiten. Wir haben in diesem Winter am Außenschiff und an den Naturholzteilen einen komplett neuen Farbaufbau gemacht, wofür bestimmte Mindesttemperaturen vonnöten waren. Durch den zäh in die Gänge kommenden Frühling wurden wir am Arbeiten gehindert, so daß sich die Fertigstellung der "Shanty" arg verzögerte.

Mit der "Universitas", einem 1988 gebauten Ein-Tonnen-Racer mit 12,08 m Länge, 3,88 m Breite und 2,32 m Tiefgang, ging es am Abend des 24.05. los in Richtung Omö, Dänemark. Zwei oder drei Stunden nach dem Passieren der Molenköpfe hatte der Wind auf 7 Bft aufgefrischt und wir wurden mit einigen Wolkenbrüchen bedacht. Da wir nur zu viert waren und man zum anständigen Segeln der "Universitas" idealerweise sechs bis acht Leute braucht, entschied der Skipper, für die Nacht nach Kühlungsborn zu fahren, wo wir gegen 0200 ankamen. Am nächsten Tag ging es dann unter angenehmeren Bedingungen nach Spodsbjerg auf Langeland, von dort nach Burgtiefe auf Fehmarn und am Samstag zurück nach Rostock. Vier Tage segeln, 210 Meilen, Geschwindigkeiten von mehr als 10 Knoten. Ein etwas anderes Segeln als auf den eher gemütlichen Seekreuzern.

Ursprünglich war geplant gewesen, im Sommer 2006 mit "Shanty" einen mehrwöchigen Schwedentörn zu machen. Dafür hätte ich zum einen die Bootsführerschaft für das Fahrtgebiet 3, sowie eine Ausnahmegenehmigung gebraucht. Voraussetzung dafür ist der SKS. Am 10. Juni wollte ich eigentlich die Theorieprüfung antreten. Aber es kam alles ein wenig anders ...

Über mehrere Ecken erfuhren Babett und ich von einer auf Gran Canaria liegenden Segelyacht, deren Eigner verstorben war. Wir begannen zu grübeln, zu träumen und zu planen, holten Infos ein - und schließlich fiel die Entscheidung: wir kaufen das Boot, wollen es uns aber vorher ansehen. Leider war Babett arbeitsmäßig derart eingebunden, daß es bis zum nächsten Zeitfenster etwas länger gedauert hätte. Sie blieb also hier, wir kauften die nächsten verfügbaren Flugtickets und am 31. Mai düste ich zusammen mit einem sachverständigen Freund aus dem Segelverein, weichen Beinen und wirren Gedanken im Kopf nach Gran Canaria.

Mit einem Mietwagen machten wir uns von Airport auf den Weg nach Puerto de Mogan, dem derzeitigen Liegeplatz der Yacht. Zum Glück fuhr Andreas, ich wäre vermutlich viel zu unkonzentriert gewesen. Knappe 40 Minuten später bogen wir am Hafen um eine Ecke und standen direkt vor dem Schiff. Aus Hirngespinsten, Phantasien und vagen Vorstellungen wurde plötzlich greifbare Realität - Babett und ich standen kurz davor, Bootseigner zu werden!

In den folgenden drei Tagen fingen wir mit ersten Arbeiten an. (Eigentlich waren wir ja nur gekommen, um eine Kaufentscheidung zu fällen, aber das schafften wir bereits in den ersten Minuten nach unserer Ankunft.) Ausräumen, aussortieren, inventarisieren. Wir besorgten Werkzeug und Kleinkram. Wir bekamen die Bordelektrik zum Laufen und freuten uns darüber, diesem seit fast anderthalb Jahren auf dem Trockenen stehenden Schiff wieder etwas Leben eingehaucht zu haben. Außerdem knüpften wir Beziehungen zu etlichen Leuten, die uns in den paar Tagen eine große Hilfe gewesen sind und sich nun um einige zu erledigende Arbeiten kümmern werden.

Am 04. Juni flogen wir zurück und mußten das Schiff - unser Schiff! - zunächst zurücklassen. Ein seltsames Gefühl. Aber der nächste Besuch war bereits geplant. Mitte Juli ging es wieder hin, diesmal mit Babett. Eine Woche lang trugen wir täglich zwei Schichten Farbe auf den Rumpf auf, bis Andanza mit blauem Unterwasserschiff vor uns stand.

Die Überführung verlief nicht so ganz, wie geplant und dauerte statt vier Wochen zweieinhalb Monate.

Zurück in Rostock einigten wir uns auf einen neuen Namen für die Yacht: "Andanza". Seitdem gibt es auch die passende Webseite: www.sy-andanza.de

An dieser Stelle sei nur noch erwähnt, daß unser Boot nach zwei Jahren Wiederaufbau dem Unvermögen eines Fährkapitäns zum Opfer fiel. Details finden sich auf der Andanza-Webseite.